Tkalci [2013]

Presse:

„Die gut profilierte Dramaturgie von Veronika Musilova Kyrianova (auch Übersetzerin) im Činoherní Studio in Ústí nad Labem wird ergänzt durch die neue Inszenierung „Tkalci“ der Autorin und Regisseurin Vanessa Emde, inspiriert von dem gleichnamigen sozialen Drama Gerhart Hauptmanns. Die Handlung vermischt sich mit der Problematik der sozial Ausgeschlossenen, und erzählt indirekt auch von der Lage in Ústí nad Labem. […] Das Kollektiv des Činoherní Studio ließ sich auch frei von dem Essay „Der kommende Aufstand“ (2007, auf Tschechisch 2012) inspirieren, der die gegenwärtige europaweite Krise analysiert, doch statt ihn als These zu präsentieren, führt man einen Dialog mit ihm auf der Bühne. Die Dialogform erwächst nicht nur aus der Auseinandersetzung mit Hauptmann oder mit diesem Essay, sondern aus der Struktur der Inszenierung selbst, in der sich die bisher konstituierte Realität quasi mit jeder neuen Aktion verschiebt und verändert. Vor allem aber führt die Inszenierung einen Dialog mit den Zuschauern, die mit Bier in ihren Händen Situationen beobachten, die ihnen vertraut vorkommen könnten. Jede der Figuren will das erdrückende Milieu verlassen, aber keine von ihnen schafft es, die Grenze des Holzzauns, der sie umgibt, zu überwinden. Die Dramatik der Handlung ergibt sich daraus, dass „jeder Mensch eine Sehnsucht hat“, wie schon Hauptmann schrieb. Während bei Hauptmann oder bei den Autoren des Essays „Der kommende Aufstand“ die Lösung eine Revolution ist, können die unerfreulichen Verhältnisse in der Inszenierung in Ústí nicht überwunden werden. Die Figuren der heutigen „Weber“ sind nicht nur unfähig zu benennen, gegen was man kämpfen sollte, sondern auch, welchen Sinn ein solcher Kampf haben könnte. Die Theatermacher aus Činoherní Studio suchen in der Spielzeit mit dem Motto „ALLES LIEGT IN DIR“ nach der Antwort danach, in wieweit und wie man die einen umgebende Welt bewusst oder unbewusst beeinflussen kann. Die hiesige Dramaturgie ist bemerkenswert nicht nur durch ihre radikalen Bearbeitungen Klassischer Dramatik oder durch Aufführungen von neuen Texten […], sondern vor allem dadurch, dass sie das Theater konsequent als eine gesellschaftliche Institution wahrnimmt, die an der Diskussion über aktuelle Themen mit künstlerischen Mitteln teilnimmt. Der spezifische Ort von einer industriellen Stadt im damaligen Sudetenland bietet einen Raum für Konfrontation mit wichtigen Themen der Region – der komplizierten sozialen Situation ihrer Bewohner, der historischen Erfahrung der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit und der übersteigerten Industrialisierung. Durch diese lokalen Themen bezieht sich das Theater von Činoherní Studio auf ganz generelle Fragen.“

http://www.advojka.cz/archiv/2013/10/co-se-skryva-v-igelitce

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