"be_longing TRILOGIE.

Ein immersives Performanceprojekt"

[2019/2020]

Die Trilogie BE_LONGING ist ein Projekt des transmedialen Künstler*innen-Kollektivs PASSAGE ZUSTAND. Über die Dauer von zwei Jahren setzen wir uns diskursanalytisch, dokumentarisch und autobiografisch mit verschiedenen Zu(sammen)gehörigkeitskonzepten von Solidarität über Identität zu „Heimat“ auseinander und entwickeln eine Serie von drei unabhängigen und doch aufeinander aufbauenden installativen Performances. Monologe realer und fiktiver Personen und Entitäten verschränken wir mit dokumentarisch-poetischen Video- und Sound-Installationen, szenischen Spielen und Situationen mit Publikum. Es entsteht ein Mosaik der Unorte. In allen drei Teilen laden wir dich ein, dich einzulassen auf intime Geschichte(n), mit uns vor und zurück zu gehen auf den (Irr)wegen unserer Herkunft und Möglichkeiten für die Zukunft. Wir fragen: Wo gehöre ich hin? Und mit wem gehöre ich zusammen? Wem gehört die Welt, ist sie und sind wir noch zu retten? Komm in unser Haus für Dissenz und Komplizenschaft. Für Nähe und Distanz, für ein gemeinsames Fern- und Heimweh, eine temporär-kollektive Zugehörigkeits-Utopie, aber auch ihre eigene dystopische Demontage, ein Streiten – ein Kaleidoskop (un)möglichen Handelns.

Naomi Boyce (Übersetzung, Dramaturgie), Vedi Vanessa Emde (Text, Regie, Produktion), Sophia Hankings-Evans (Performance), Nour Hos (Performance), Hadi Khanjanpour (Performance), Sina Klein (Text, Dramaturgie), Veronika Kyrianova (Übersetzung, Dramaturgie), Nils Malten (Performance), Júnia Matsuura (Dramaturgie, Stagemanagement), Elena Schmidt (Performance), Arturo Tobia (Sound- und Videoart, Design) und Magdalena Wiedenhofer (Performance).

be_longing I – ein kollektiv-autobiografischer Unort, ist eine transmediale Matratzen-Installation. Sie erinnert an die Kinderspiele, die Bettenbuden, an das Aufgehobensein, Herumtoben und Aufbäumen, bevor man doch todmüde in die Kissen gefallen ist. Wir laden dich dazu ein, es dir bei uns gemütlich zu machen, die Schuhe auszuziehen und auf dem Hosenboden herumzurutschen. Es soll dafür an nichts fehlen: Schokolade, Unterhaltung, (Un)Sinn, Pausen, Denkanstößen, nicht an Geborgenheit, während wir unsere persönlichen Geschichte(n) von Konkurrenz und Kollektivität, vom Eingebunden- und Vereinzeltsein erzählen. Gegenwärtigen Zugehörigkeits-Narrativen stellen wir dabei unsere inkohärenten, verteilten und teilbaren Identitäten gegenüber und verweben diese mit interaktiven Verortungs-Spielen. Wir behaupten ein “Wir” und zersplittern es wieder. Können wir das Trennende temporär überwinden ohne Differenzen und Privilegien dabei zu negieren? Unsere Geschichten sind hier Mittel zum Zweck als Landkarten zum Ausloten eines utopischen Safe Spaces, sie sind keine Garanten objektiver Fakten. Wir stehen mit unseren Geschichten persönlich da, nicht alleine, nicht privat. Wir treten auf als polyphones Kollektiv und entwerfen eine strategische Zusammengehörigkeit, die solidarisch, flexibel, mobil und gleichzeitig nestwarm ist. Ein Streiten.

be_longing II – Heimat, ein theatraler Leichenschmaus ist eine Gedenkfeier hinter den sieben Bergen, ein böhmischer, ost- und westdeutscher Leichenschmaus und auch ein Museum des Grauens. Der zweite Teil der Trilogie markiert das Unmarkierte und rückt die Konstruktion deutscher Herkunft ohne Migrationsgeschichte in den Fokus aktueller Zugehörigkeitsdebatten. Wir nehmen Abschied von Opa Carl und folgen dabei den Spuren seines immer wieder anderen deutschen Lebens. Wir laden dich ein an seinen Küchentisch und kochen für dich Kraut und Knödel, sein allerliebstes Leibgericht. Dabei schälen wir aber nicht nur Kartoffeln und zerhacken den Kohl, sondern auch unsere sogenannten deutschen Wurzeln, die den Boden nähren für die Wiederverklärung nationaler „Heimat“, die das Salz in der Suppe des identitären Prinzips und Faschismus in Deutschland und darüber hinaus sind. Basierend auf biografischen Interviews gehen wir mit fiktionalisierten Doku-Monologen in Deutschland, BRD und DDR, im tschechischen Ústí nad Labem, einst Aussig an der Elbe, in der Zeit zurück. Wir verpuzzeln die Fragmente von Opa Carls Nachlass und seine sudetendeutsche(n) Geschichte(n) mit den bewegten Bildern und Zeitgeschichten, die sie kreuzten. Trink ein Herrengedeck an unserer ausgedehnten Tafel, wenn wir Opas Feldpost und Liebesbriefe lesen, Karel Kryl, Wolf Biermann und Herbert Grönemeyer hören, ein Heimat-Lotto spielen und ganz bestimmt sogar unsere Liebslingsszenen aus „Sissi“ und „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in einer Splatter-Version reinszenieren. Wir tragen „Opa Carl“ zu Grabe und im Kaleidoskop polyphoner Erinnerungen entstehen Parallelen zwischen Ihm und Uns, Mir und Dir, Hier und Dort, Damals und Heute, solange, bis man sich nicht mehr auskennt in den böhmischen Dörfern. Wir fragen nach Stolz, nach Scham und Schuld, nach kollektiven Mechanismen, bezichtigen, besichtigen und ver(antw)orten uns selbst.

 

be_longing III – Gaia ist ein prophetisches Dark-Techno-Game und du stehst auf der Liste. In den ersten beiden Teilen haben wir uns entwaffnet und entschleunigt. Nun verlassen wir die Intimität der Höhle und den Zwiespalt der Küche. Die Tische sind abgeräumt, wir richten uns auf und wagen den prophetischen Blick in die Zukunft. Auf Basis von Interviews mit Kindern und Schulstreik-Aktivist*innen über ihre Visionen, Ängste und Träume, collagiert mit zeitgenössischen Texten und Diskursen zum Thema Globalisierung, Klima und Migration, wähnen wir uns am Ende der Welt und einer Ära, in der uns die Erde beheimatet hat. Wir fragen nach unseren gegenwärtigen Utopien und ihrer Umsetzbarkeit, während wir uns im Setting eskapistisch-dystopischer Noise-Beschallung mit ihrem Gegenteil und einem möglichen kollektiven Scheitern konfrontieren. Wir lassen Amazoniens Bäume sprechen, Bären im endlichen Eis, Sklav*innen, Krieger*innen, Herrscher*innen, digitale Nomad*innen, virtuelle Entitäten und Cyborgs, die uns im analogen Game verführen und einspinnen und die uns rekrutieren oder uns folgen wollen. Doch mehr und mehr verfangen wir uns in ihrem Netz aus Verheißungen, Fake und Fakten, Glaubenssätzen, Petitionen. In belonging III ertappen wir uns in Zuständen multipler Wahrheiten, verlaufen uns im Labyrinth der Kontigenz und offener Tabs; manifestieren selbstverantwortlich, bewusst, intuitiv und / oder per Knopfdruck, wer wir sein wollen und auf welches Level uns der Sound als nächstes bringt auf der Mission, die Welt zu retten.

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